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A04
Architekturen des Asyls: Aneignungsprozesse in Flüchtlingsunterkünften

Das Teilprojekt „Architekturen des Asyls“ untersucht die Re-Figuration von Räumen am Beispiel physisch-materieller und symbolischer Aneignungsprozesse von geflüchteten Personen am Asylort. Das Vorhaben ist geleitet von der Hypothese, dass die Extremsituation von Geflüchteten in besonderem Maße Prozesse der Re-Figuration von Räumen sichtbar macht, die auch in anderer und teils abgeschwächter Form in Migrationsprozessen allgemein wirksam werden. Es soll somit wichtige theoriebildende und praktische Einsichten für eine zunehmend mobile und von interkulturellen Begegnungen geprägte, urbanisierte Gesellschaft geben. Im Zentrum stehen folgende forschungsleitende Fragen: Welches Raumwissen machen Menschen aus ihrer besonderen Situation im Schwebezustand zwischen Herkunftsort, teils dramatischer Flucht und dem Ankommen und ungesicherter Aufenthaltsfrist an (einem) noch fremden Asylort(en) handlungsrelevant? In welcher Beziehung stehen die subjektiven Raumerfahrungen, die in unterschiedlichen Orten und Kontexten gesammelt wurden, zueinander? Wie verändern sich die Raumkonstitution in ihrer Beziehungsdynamik mit fortlaufender Zeit und durch welche Faktoren werden Veränderungen beeinflusst? Empirisch wird sich die Studie auf syrische Geflüchtete konzentrieren, die seit 2011 Zuflucht an unterschiedlichen Asylorten in Jordanien und in Deutschland gefunden haben. Die Untersuchung ist als qualitative Vergleichsstudie angelegt, die das Ankommen und das Sich-Einrichten von Geflüchteten an verschiedenen Asylorten beobachtet und daraus Rückschlüsse auf den Re-Figurationsprozess von Räumen zieht. Als Fallstudien sollen in Jordanien und in Deutschland jeweils eine Flüchtlingsunterkunft untersucht werden. In Deutschland liegt der Fokus auf Berlin und dort auf den Berliner Notunterkünften Marzahn-Hellersdorf und Neukölln inklusive der unmittelbar angrenzenden urbanen Kontexte. In Jordanien wird das von der UNHCR betriebene Flüchtlingslager Zaatari untersucht. Die sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen, denen die geflüchteten Syrer/-innen in Jordanien und Deutschland ausgesetzt sind, sollen Aufschluss darüber geben, wie der Kontext des Asylortes den räumlichen Lokalisierungs- und Neuverortungsprozess mitprägen.

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