Publikationen

Symbole und Räume. Soziologische Reflexionen aus dem Inneren der Corona-Krise

Hubert Knoblauch
20. Mai 2020
Herunterladen

Working Paper Nr.5 “Symbole und Räume. Soziologische Reflexionen aus dem Inneren der Corona-Krise” von Hubert Knoblauch

Ausgehend von der These, dass die Corona-Krise als ein Konflikt zweier Raumfigurationen zu erklären ist widmet sich dieser Beitrag der Frage, ob und inwiefern gerade die massiven Schließungen als eine Art symbolische Politik verstanden werden können. Denn in der Tat dienen die massiven Raum-Schließungen der Kommunikation zwischen einer nun in einer ebenso massiv asymmetrischen Führungsposition befindlichen Regierung und einer zur Bevölkerung degradierten Gesellschaft. Diese asymmetrische Kommunikation darf jedoch nicht als legitimatorisches Überbauphänomen angesehen werden, wie dies in verschwörungstheoretischen Ansätzen geschieht. Wie die symbolische Kommunikation mit Räumen sehr materiale Grenzen zieht, die von Staatsgrenzen bis zu den Türen der Wohnungen reichen, dient sie der Mitteilung eines (nur wissenschaftlich-technisch wissbaren) Risikos, das in der körperlichen Kommunikation verankert ist. Weil die Interaktionsräume zunehmend digitalisiert, mediatisiert und dadurch in eine Netzwerklogik gebracht werden und werden können, zeichnet sich die „Krise“ durch eine Dramatisierung der Spannung zwischen der Raumfiguration geschlossener Container und entgrenzter Netzwerke aus. Dieses Muster mag in seiner Radikalität als eine Antistruktur erscheinen (die Grundrechte der Mitbestimmung, gewohnte Arbeitstätigkeiten u.a. außer Kraft setzt), stellt allerdings, so die These dieses Beitrags, keinen Bruch dar, sondern folgt den Entwicklungen, die wir als Refiguration von Räumen bezeichnet haben.

Download auch unter auf den Seiten der TU Berlin.